Montag, 20. Juni 2011
Erstens kommt es anders...
... und zweitens als man denkt. Besonders wenn man meint, Gott spielen zu können. Jaaa meine Lieben, genau das habe ich in letzter Zeit wieder häufiger getan, und es macht Spaß! Meine kleinen Figürchen übers Papier wandeln zu lassen, ihnen Worte (oder auch andere Dinge) in den Mund zu legen, all sowas, Ihr wisst schon. Aber erstens kommt es anders...

Angefangen hat das eigentlich mit einer Kritik, die ich mir sehr zu Herzen nahm. War This Delicate Thing (mein This Delicate Thing, nicht das von Darren!) doch zu allererst als schwule Soap Opera gestaltet, wurde es mehr und mehr zu meiner eigenen (und glücklicherweise vergangenen) Geschichte; die Geschichte eines Mannes, der sich nicht entscheiden konnte zwischen einem idealisierten Traum und der Wirklichkeit, die nicht minder verführend war, was sich allerdings erst im Nachhinein herausstellt. Als dramatische Elemente kamen natürlich noch frei erfundene Sequenzen hinzu (als das Ganze noch eine Soap war), und fertig war die leichte Lektüre.
Bis eine aufmerksame Leserin meinte, der dramatische Tod einer unbedeutenden Nebenfigur würde stören, weil er mit der eigentlichen Storyline nichts zu tun hatte. Das wurde natürlich umgehend geprüft, und tatsächlich... außer einer Beerdigungsszene, in die ich mich sehr verliebt hatte, hatte dieser Tod letztlich keinen Sinn. Und damit begann die Geschichte, sich zu entwickeln.
Gelebt hat sie von Anfang an; die Figuren sind mir in den vergangenen drei oder vier Jahren sehr ans Herz gewachsen, auch wenn ich sie oft monatelang unbeachtet ließ. Aber das lag vor allem daran, weil mir vor dem Ende graute. Mehr dazu später.
In all der Zeit lernte ich, wie man anständige Geschichten schreibt. Ich meine jetzt nicht solche, die züchtig und brav sind, oh nein! Sondern solche, die auch gern von anderen Menschen gelesen werden (von ein paar zumindest). Erprobt durch einige Lesungen, bei denen ich mir regelmäßig halb in die Hose machte, fasste ich neuen Mut und ging wieder an TDT heran. Und plötzlich ergab nichts mehr einen Sinn. Hatte ich das Ding zuvor runtergehackt wie auf Speed, so merkte ich jetzt, dass viele Szenen zu langatmig, viele Dialoge zu schnulzig und manche Sachen schlicht unlogisch waren. Ja, Freunde der anspruchsvollen Literatur, sucht euer Futter nicht bei mir, es ist nicht leicht, sich das sagen zu müssen. Aber gleichzeitig war da die Gewissheit: Das kannst du besser!
Und so machte ich mich an die Arbeit. Ich schrieb eine stichwortartige Zusammenfassung, mit deren Hilfe ich mir Überblick über das Delicate Monster verschaffte. Noch während ich in den letzten Tagen diese Zusammenfassung schrieb, änderte ich Teile der Story. Mir wurde klar, welche Aspekte der Geschichte ich herausarbeiten und welche ich fallen lassen wollte (oder musste). Heraus kam eine sehr rührende, aber dennoch einfache Geschichte über Angst, Freundschaft und Liebe... also das, was etwa 92% der Bücherregale verstopft. Aber sei´s drum; es macht immer noch Spaß. Und ich kann euch versichern, dass die neue Fassung (die vermutlich auch nicht mehr auf den Namen This Delicate Thing hören wird) um Längen besser wird als die Urfassung, die schon seit langem (in englischer Sprache) im Internet kursiert. Ich bin froh, dass sie sich entwickelt hat, und das, ohne dass ich es wirklich wollte... denn das echte Delicate Thing hat sich zum Guten gewandt; was der Story auf Papier vermutlich nicht gelingen wird.

Aber wer weiß das schon so genau? Denn erstens kommt es anders...


Grüße mit beginnender Sehnenscheidentzündung von
Joy :-)

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