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Sonntag, 25. März 2012
Welcome to the Truman Show – Paint it Black oder: wie das feierliche Ausrasten seinen Zenit überschritt
joy-d, 07:09h
Freunde der Nacht, was habe ich heute hinter mich gebracht! Dieser kleine Reim mag poetisch anmuten, drückt jedoch in keinster Weise den Kummer und das Elend aus, das ich heute Abend beim Feiern erleiden durfte. Ja, es ist wahr, ich war mal wieder aus. Gemeinsam mit Numbsi, meinem Bruder (frei nach Eddie Murphy... die 80er Kinder werden wissen, wovon ich hier spreche :-P) machte ich mich auf, mal wieder gepflegt die nicht ganz so ordentliche Sau rauszulassen. Unsere Wahl fiel auf einen relativ neuen Club mit dem verheißungsvollen Namen Tic. Eigentlich steht Tic für The Inner Circle, aber die Psychologiestudenten unter uns werden ahnen, warum wir diesen Club eigentlich nicht hätten besuchen sollen... aber wir wollen ja nichts vorweg nehmen.
Mitten im Mülleimer, oh Pardon, ich meine: Mülheimer Nirgendwo stießen wir also auf die sagenumwobene Partymeile, an dessen Ende (wieder ein Zeichen!) sich besagter Club / Disco / Irgendwas befindet. Von Haus aus eher der dunklen Ecke der Musik zugetan, verhieß das Ambiente einen schönen Abend; gemütliche Sitzecken, eine Theke, die komplett umrundet werden kann, schwarz und rot als Thema der Inneneinrichtung, ein paar verdörrte Bäume, gute Musik, billiges Bier, kurz: Alles, was ein wirklich guter Gothic Club braucht. Leute waren erst mal keine da, und so bestellten wir etwas zu trinken und ließen uns in eine der ledernen Couchen fallen.
Dabei blieb es eine ganze Weile. Es kamen ein paar weitere Menschen (wobei diese Bezeichnung lediglich als Klassifizierung der anwesenden Wirbeltiere gelten mag), aber Stimmung, nö, die hatte gerade Urlaub. Macht nichts, dachten wir, gingen abwechselnd eine rauchen und zurück zu unserem Sofa, bis wir halb an Lungenkrebs starben und uns fragten, was hier eigentlich so anders sei.
Dazu muss man ein wenig ausholen. Früher (nicht als hier noch Wald war, aber fast) trafen Numbsi und ich uns regelmäßig mit etwa 20 bis 40 anderen, recht dunkel gekleideten Menschen in der Duisburger Innenstadt zum gepflegten Ausrasten. Man trank am Brunnen ein wenig (…) Alkohol, um dann rotzevoll mit 4-40 Mann das Old Daddy zu entern und dort erst mal richtig loszulegen. Das Daddy war damals eine Kaschemme reinster Güte, ein Laden, in dem man einfach tanzen musste, um nicht am Boden festzukleben, und in dem man, machte man den Fehler und legte seine Arme beim Bestellen auf die Theke, auch schon mal bier-nasse Ärmel bekam. Oft gingen dort die Lichter erst um 7 Uhr an (während bei einigen Besuchern die Selbigen schon seit Stunden erloschen waren), man hatte sich – vor allem tanztechnisch – vollkommen zum Deppen gemacht und sicher irgendein Mädchen angebaggert, dass sich bei der Erinnerung an den unbeholfenen Flirtversuch am nächsten Morgen halb krank lachen würde (oder sich beim Aufwachen denkt: oh man, wie bin ich denn an den geraten...), aber hey; Spaß muss sein, und auch wenn die Erinnerungen meist ungnädig waren, so ist man doch 4 Wochen später wieder zum Brunnen in der Innenstadt gepilgert, um zu trinken, ins Daddy zu gehen und gepflegt auszurasten. Aber wie wir alle, so ist auch das Daddy in die Jahre gekommen, nannte sich fortan Kultkeller und war bevölkert von Menschen, die genau das richtige Alter zum Feiern hatten; also wesentlich jünger waren als wir. Ergo: es musste etwas Neues her. Und so landen wir wieder in der Gegenwart.
Während ich also in verzweifelter Hast versuchte, so viel Bier wie möglich in kürzester Zeit in mich zu schütten, beobachtete ich mit Numbsi das dunkle Treiben im Tic und fragte mich, warum das Konzept nicht funktionierte. Wie gesagt war alles da, was man zum Feiern brauchte; aber der Funke sprang nicht über. Bis mir auffiel: Ich fühlte mich wie in der Truman Show 2.0!
Ich werde jetzt nicht erklären, was die Truman Show ist; wer diesen Film verpasst hat, hat eindeutig etwas verpasst (und ist das jetzt der endgültige Beweis meiner Nerdheit, ungeachtet vorherrschender Trends?), aber an dem wenig blumigen Vergleich ist etwas Wahres dran. Wer eine stinkende, klebrige, laute und irgendwie asoziale Kaschemme gewöhnt ist und dann in einen ordentlichen und fast klinisch reinen Laden kommt, muss sich zwangsläufig wie in einer Filmkulisse fühlen. Es fehlte an Authenzität, das Ganze wirkte irgendwie künstlich. Jeder hatte sich in seiner Art aufgedonnert, aber keiner feierte... sie trafen sich mit Freunden, hörten Musik, redeten, als seien sie in einem Pub. Ich teilte diesen Gedanken mit meinem‚ Bruder Numbsi, dem ein weiteres Detail auffiel: Das Durchschnittsalter innerhalb dieser feiertechnischen Katastrophe lag bei fast 30. Nicht, dass 30-jährige nicht feiern könnten, oh nein, es ist viel schlimmer... sie wollen nicht. Keiner der Anwesenden war in der Lage, mal richtig loszulassen. Und auch wenn man auch ohne Alkohol Spaß haben kann, so fiel doch auf, dass viele Leute dort Cola oder Kaffee tranken. Als wir die Lokalität nach zwei Stunden verließen, wussten wir auch, warum: Die Meisten waren mit dem Auto dort.
So wandelt sich die Zeit, wir verändern uns, wir werden erwachsen. Mein Bruder und ich fuhren zurück in unsere Heimatstadt und gingen ins Old Daddy, das nun Kultkeller heißt. Keller ist klar, Kult irgendwie auch, und was soll ich sagen? Wir mussten tanzen, um nicht festzukleben, an der Theke holte ich mir nasse Unterarme, wir sind gepflegt ausgerastet und haben auch so manche Überraschung erlebt.
Es ist nicht mehr wie früher, das ist klar. Aber man darf sich auch nicht komplett verleugnen und Tics entwickeln, die mit einem selbst nichts mehr zu tun haben. Mir tun die Leute leid, die sich stets und ständig kontrollieren, weil sie ja nun älter sind und vernünftig werden müssen. Erwachsen werden ist ganz okay, aber manchmal brauch ich davon echt ne Pause!
Joy^^
Mitten im Mülleimer, oh Pardon, ich meine: Mülheimer Nirgendwo stießen wir also auf die sagenumwobene Partymeile, an dessen Ende (wieder ein Zeichen!) sich besagter Club / Disco / Irgendwas befindet. Von Haus aus eher der dunklen Ecke der Musik zugetan, verhieß das Ambiente einen schönen Abend; gemütliche Sitzecken, eine Theke, die komplett umrundet werden kann, schwarz und rot als Thema der Inneneinrichtung, ein paar verdörrte Bäume, gute Musik, billiges Bier, kurz: Alles, was ein wirklich guter Gothic Club braucht. Leute waren erst mal keine da, und so bestellten wir etwas zu trinken und ließen uns in eine der ledernen Couchen fallen.
Dabei blieb es eine ganze Weile. Es kamen ein paar weitere Menschen (wobei diese Bezeichnung lediglich als Klassifizierung der anwesenden Wirbeltiere gelten mag), aber Stimmung, nö, die hatte gerade Urlaub. Macht nichts, dachten wir, gingen abwechselnd eine rauchen und zurück zu unserem Sofa, bis wir halb an Lungenkrebs starben und uns fragten, was hier eigentlich so anders sei.
Dazu muss man ein wenig ausholen. Früher (nicht als hier noch Wald war, aber fast) trafen Numbsi und ich uns regelmäßig mit etwa 20 bis 40 anderen, recht dunkel gekleideten Menschen in der Duisburger Innenstadt zum gepflegten Ausrasten. Man trank am Brunnen ein wenig (…) Alkohol, um dann rotzevoll mit 4-40 Mann das Old Daddy zu entern und dort erst mal richtig loszulegen. Das Daddy war damals eine Kaschemme reinster Güte, ein Laden, in dem man einfach tanzen musste, um nicht am Boden festzukleben, und in dem man, machte man den Fehler und legte seine Arme beim Bestellen auf die Theke, auch schon mal bier-nasse Ärmel bekam. Oft gingen dort die Lichter erst um 7 Uhr an (während bei einigen Besuchern die Selbigen schon seit Stunden erloschen waren), man hatte sich – vor allem tanztechnisch – vollkommen zum Deppen gemacht und sicher irgendein Mädchen angebaggert, dass sich bei der Erinnerung an den unbeholfenen Flirtversuch am nächsten Morgen halb krank lachen würde (oder sich beim Aufwachen denkt: oh man, wie bin ich denn an den geraten...), aber hey; Spaß muss sein, und auch wenn die Erinnerungen meist ungnädig waren, so ist man doch 4 Wochen später wieder zum Brunnen in der Innenstadt gepilgert, um zu trinken, ins Daddy zu gehen und gepflegt auszurasten. Aber wie wir alle, so ist auch das Daddy in die Jahre gekommen, nannte sich fortan Kultkeller und war bevölkert von Menschen, die genau das richtige Alter zum Feiern hatten; also wesentlich jünger waren als wir. Ergo: es musste etwas Neues her. Und so landen wir wieder in der Gegenwart.
Während ich also in verzweifelter Hast versuchte, so viel Bier wie möglich in kürzester Zeit in mich zu schütten, beobachtete ich mit Numbsi das dunkle Treiben im Tic und fragte mich, warum das Konzept nicht funktionierte. Wie gesagt war alles da, was man zum Feiern brauchte; aber der Funke sprang nicht über. Bis mir auffiel: Ich fühlte mich wie in der Truman Show 2.0!
Ich werde jetzt nicht erklären, was die Truman Show ist; wer diesen Film verpasst hat, hat eindeutig etwas verpasst (und ist das jetzt der endgültige Beweis meiner Nerdheit, ungeachtet vorherrschender Trends?), aber an dem wenig blumigen Vergleich ist etwas Wahres dran. Wer eine stinkende, klebrige, laute und irgendwie asoziale Kaschemme gewöhnt ist und dann in einen ordentlichen und fast klinisch reinen Laden kommt, muss sich zwangsläufig wie in einer Filmkulisse fühlen. Es fehlte an Authenzität, das Ganze wirkte irgendwie künstlich. Jeder hatte sich in seiner Art aufgedonnert, aber keiner feierte... sie trafen sich mit Freunden, hörten Musik, redeten, als seien sie in einem Pub. Ich teilte diesen Gedanken mit meinem‚ Bruder Numbsi, dem ein weiteres Detail auffiel: Das Durchschnittsalter innerhalb dieser feiertechnischen Katastrophe lag bei fast 30. Nicht, dass 30-jährige nicht feiern könnten, oh nein, es ist viel schlimmer... sie wollen nicht. Keiner der Anwesenden war in der Lage, mal richtig loszulassen. Und auch wenn man auch ohne Alkohol Spaß haben kann, so fiel doch auf, dass viele Leute dort Cola oder Kaffee tranken. Als wir die Lokalität nach zwei Stunden verließen, wussten wir auch, warum: Die Meisten waren mit dem Auto dort.
So wandelt sich die Zeit, wir verändern uns, wir werden erwachsen. Mein Bruder und ich fuhren zurück in unsere Heimatstadt und gingen ins Old Daddy, das nun Kultkeller heißt. Keller ist klar, Kult irgendwie auch, und was soll ich sagen? Wir mussten tanzen, um nicht festzukleben, an der Theke holte ich mir nasse Unterarme, wir sind gepflegt ausgerastet und haben auch so manche Überraschung erlebt.
Es ist nicht mehr wie früher, das ist klar. Aber man darf sich auch nicht komplett verleugnen und Tics entwickeln, die mit einem selbst nichts mehr zu tun haben. Mir tun die Leute leid, die sich stets und ständig kontrollieren, weil sie ja nun älter sind und vernünftig werden müssen. Erwachsen werden ist ganz okay, aber manchmal brauch ich davon echt ne Pause!
Joy^^
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