Donnerstag, 17. Januar 2013
Die hehre Kunst des Schreibens
Da will man etwas schön Bissiges über das Schreiben verfassen, und es fällt einem nichts Gescheites ein. Auch nicht schlecht. Ursprünglich wollte ich mich über die "Du kannst doch schreiben..."-Leute auslassen, die immer megatolle Ideen haben, die der Schriftsteller doch mal in ein Buch einbauen kann. Kann ich? Nö. Die Ideen, die da kommen, sind meist so spannend wie Law And Order; Begebenheiten, die in der jeweiligen Situation urkomisch waren, aber später und vor allem nacherzählt, ohne Storyline oder anderen Rahmen, komplett an Reiz verlieren (gut; die Wortherkunft von Situation ist ja laut der allwissenden Wikipedia auch lat. situs, das heißt soviel wie Stelle oder Sitz...). Das ist einfach nicht mehr witzig. Oder Dinge, die für den betreffenden Menschen unheimlich bedeutungsvoll sind, für alle anderen aber vollkommen ohne Belang. Daraus soll ich ein Buch machen? Puuh... soviel kann man mir nicht bezahlen, dass ich so etwas schreiben würde. Oder auch nur könnte.

Bezahlen ist ja auch ein gutes Stichwort. Auch Griffelkünstler müssen von irgendetwas leben (und damit meine ich nicht den beknackten Verwaltungsjob, der als Alibi für Freunde und Familie herhält... das ist mehr Existenzerhaltung denn Leben!), und so kommen nicht wenige von uns auf die glorreiche Idee, unsere Ergüsse zu verkaufen. Mittlerweile hat sich ein ganzes Heer von Textern gebildet, die unter anderem für das Internet schöne (und sehr oft auch weniger schöne) Texte für Websites erstellen.

"Du kannst doch schreiben..." joa, schon recht. Nun ist es aber so, dass dieses Heer auch gern die "10.000 Cent" genannt wird, und zwar weil der Großteil eben jenen Heeres Texte für 1 Cent pro Wort schreibt, teilweise weniger. In der Masse mag das vielleicht lohnen, ich weiß es nicht, sicher ist aber, dass die Qualität der Texte entsprechend ist. Die Dinger kann kein Mensch anständig lesen, geschweige denn Freude daran haben, es ist ein Elend. Insbesondere in der SEO-Szene, wo früher die Texte oft lieblos zusammengeballert wurden, nur damit sie bei Google gute Treffer hatten, stolpert man über Wörterterroristen, deren Talentskala weit in den negativen Bereich hineinragt. "Du kannst doch schreiben..." ja, klar, aber doch nicht so!

Und doch haftet dem Schriftsteller oder dem Menschen, der von sich behauptet, "Schreiben" zu können, ein ganz besonderes Image an, ganz egal, zu welcher Gattung von Satzkonstrukteuren er zählen mag. Ich weiß nicht, was es ist... aber wenn Unbekannte hören, dass ich schreibe, bekommen sie ein erstauntes, fast ehrfürchtiges Gesicht, fast so, als erkannten sie die hehre Kunst des Schreibens, noch ehe sie einen einzigen Satz von mir gelesen haben. Es ist wie Magie. Erschaffe Personen, Schauplätze oder Gebrauchsanweisungen aus dem Nichts, und hast das Staunen auf deiner Seite. Dabei zaubern wir nicht wirklich; nur in euren Köpfen, das heißt, wenn es richtig läuft, und das kostet nun einmal mehr als 1 Cent ;-)

Hochachtungsvoll
Joy

... link (0 Kommentare)   ... comment