Donnerstag, 17. Januar 2013
Die hehre Kunst des Schreibens
joy-d, 23:41h
Da will man etwas schön Bissiges über das Schreiben verfassen, und es fällt einem nichts Gescheites ein. Auch nicht schlecht. Ursprünglich wollte ich mich über die "Du kannst doch schreiben..."-Leute auslassen, die immer megatolle Ideen haben, die der Schriftsteller doch mal in ein Buch einbauen kann. Kann ich? Nö. Die Ideen, die da kommen, sind meist so spannend wie Law And Order; Begebenheiten, die in der jeweiligen Situation urkomisch waren, aber später und vor allem nacherzählt, ohne Storyline oder anderen Rahmen, komplett an Reiz verlieren (gut; die Wortherkunft von Situation ist ja laut der allwissenden Wikipedia auch lat. situs, das heißt soviel wie Stelle oder Sitz...). Das ist einfach nicht mehr witzig. Oder Dinge, die für den betreffenden Menschen unheimlich bedeutungsvoll sind, für alle anderen aber vollkommen ohne Belang. Daraus soll ich ein Buch machen? Puuh... soviel kann man mir nicht bezahlen, dass ich so etwas schreiben würde. Oder auch nur könnte.
Bezahlen ist ja auch ein gutes Stichwort. Auch Griffelkünstler müssen von irgendetwas leben (und damit meine ich nicht den beknackten Verwaltungsjob, der als Alibi für Freunde und Familie herhält... das ist mehr Existenzerhaltung denn Leben!), und so kommen nicht wenige von uns auf die glorreiche Idee, unsere Ergüsse zu verkaufen. Mittlerweile hat sich ein ganzes Heer von Textern gebildet, die unter anderem für das Internet schöne (und sehr oft auch weniger schöne) Texte für Websites erstellen.
"Du kannst doch schreiben..." joa, schon recht. Nun ist es aber so, dass dieses Heer auch gern die "10.000 Cent" genannt wird, und zwar weil der Großteil eben jenen Heeres Texte für 1 Cent pro Wort schreibt, teilweise weniger. In der Masse mag das vielleicht lohnen, ich weiß es nicht, sicher ist aber, dass die Qualität der Texte entsprechend ist. Die Dinger kann kein Mensch anständig lesen, geschweige denn Freude daran haben, es ist ein Elend. Insbesondere in der SEO-Szene, wo früher die Texte oft lieblos zusammengeballert wurden, nur damit sie bei Google gute Treffer hatten, stolpert man über Wörterterroristen, deren Talentskala weit in den negativen Bereich hineinragt. "Du kannst doch schreiben..." ja, klar, aber doch nicht so!
Und doch haftet dem Schriftsteller oder dem Menschen, der von sich behauptet, "Schreiben" zu können, ein ganz besonderes Image an, ganz egal, zu welcher Gattung von Satzkonstrukteuren er zählen mag. Ich weiß nicht, was es ist... aber wenn Unbekannte hören, dass ich schreibe, bekommen sie ein erstauntes, fast ehrfürchtiges Gesicht, fast so, als erkannten sie die hehre Kunst des Schreibens, noch ehe sie einen einzigen Satz von mir gelesen haben. Es ist wie Magie. Erschaffe Personen, Schauplätze oder Gebrauchsanweisungen aus dem Nichts, und hast das Staunen auf deiner Seite. Dabei zaubern wir nicht wirklich; nur in euren Köpfen, das heißt, wenn es richtig läuft, und das kostet nun einmal mehr als 1 Cent ;-)
Hochachtungsvoll
Joy
Bezahlen ist ja auch ein gutes Stichwort. Auch Griffelkünstler müssen von irgendetwas leben (und damit meine ich nicht den beknackten Verwaltungsjob, der als Alibi für Freunde und Familie herhält... das ist mehr Existenzerhaltung denn Leben!), und so kommen nicht wenige von uns auf die glorreiche Idee, unsere Ergüsse zu verkaufen. Mittlerweile hat sich ein ganzes Heer von Textern gebildet, die unter anderem für das Internet schöne (und sehr oft auch weniger schöne) Texte für Websites erstellen.
"Du kannst doch schreiben..." joa, schon recht. Nun ist es aber so, dass dieses Heer auch gern die "10.000 Cent" genannt wird, und zwar weil der Großteil eben jenen Heeres Texte für 1 Cent pro Wort schreibt, teilweise weniger. In der Masse mag das vielleicht lohnen, ich weiß es nicht, sicher ist aber, dass die Qualität der Texte entsprechend ist. Die Dinger kann kein Mensch anständig lesen, geschweige denn Freude daran haben, es ist ein Elend. Insbesondere in der SEO-Szene, wo früher die Texte oft lieblos zusammengeballert wurden, nur damit sie bei Google gute Treffer hatten, stolpert man über Wörterterroristen, deren Talentskala weit in den negativen Bereich hineinragt. "Du kannst doch schreiben..." ja, klar, aber doch nicht so!
Und doch haftet dem Schriftsteller oder dem Menschen, der von sich behauptet, "Schreiben" zu können, ein ganz besonderes Image an, ganz egal, zu welcher Gattung von Satzkonstrukteuren er zählen mag. Ich weiß nicht, was es ist... aber wenn Unbekannte hören, dass ich schreibe, bekommen sie ein erstauntes, fast ehrfürchtiges Gesicht, fast so, als erkannten sie die hehre Kunst des Schreibens, noch ehe sie einen einzigen Satz von mir gelesen haben. Es ist wie Magie. Erschaffe Personen, Schauplätze oder Gebrauchsanweisungen aus dem Nichts, und hast das Staunen auf deiner Seite. Dabei zaubern wir nicht wirklich; nur in euren Köpfen, das heißt, wenn es richtig läuft, und das kostet nun einmal mehr als 1 Cent ;-)
Hochachtungsvoll
Joy
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Sonntag, 25. März 2012
Welcome to the Truman Show – Paint it Black oder: wie das feierliche Ausrasten seinen Zenit überschritt
joy-d, 07:09h
Freunde der Nacht, was habe ich heute hinter mich gebracht! Dieser kleine Reim mag poetisch anmuten, drückt jedoch in keinster Weise den Kummer und das Elend aus, das ich heute Abend beim Feiern erleiden durfte. Ja, es ist wahr, ich war mal wieder aus. Gemeinsam mit Numbsi, meinem Bruder (frei nach Eddie Murphy... die 80er Kinder werden wissen, wovon ich hier spreche :-P) machte ich mich auf, mal wieder gepflegt die nicht ganz so ordentliche Sau rauszulassen. Unsere Wahl fiel auf einen relativ neuen Club mit dem verheißungsvollen Namen Tic. Eigentlich steht Tic für The Inner Circle, aber die Psychologiestudenten unter uns werden ahnen, warum wir diesen Club eigentlich nicht hätten besuchen sollen... aber wir wollen ja nichts vorweg nehmen.
Mitten im Mülleimer, oh Pardon, ich meine: Mülheimer Nirgendwo stießen wir also auf die sagenumwobene Partymeile, an dessen Ende (wieder ein Zeichen!) sich besagter Club / Disco / Irgendwas befindet. Von Haus aus eher der dunklen Ecke der Musik zugetan, verhieß das Ambiente einen schönen Abend; gemütliche Sitzecken, eine Theke, die komplett umrundet werden kann, schwarz und rot als Thema der Inneneinrichtung, ein paar verdörrte Bäume, gute Musik, billiges Bier, kurz: Alles, was ein wirklich guter Gothic Club braucht. Leute waren erst mal keine da, und so bestellten wir etwas zu trinken und ließen uns in eine der ledernen Couchen fallen.
Dabei blieb es eine ganze Weile. Es kamen ein paar weitere Menschen (wobei diese Bezeichnung lediglich als Klassifizierung der anwesenden Wirbeltiere gelten mag), aber Stimmung, nö, die hatte gerade Urlaub. Macht nichts, dachten wir, gingen abwechselnd eine rauchen und zurück zu unserem Sofa, bis wir halb an Lungenkrebs starben und uns fragten, was hier eigentlich so anders sei.
Dazu muss man ein wenig ausholen. Früher (nicht als hier noch Wald war, aber fast) trafen Numbsi und ich uns regelmäßig mit etwa 20 bis 40 anderen, recht dunkel gekleideten Menschen in der Duisburger Innenstadt zum gepflegten Ausrasten. Man trank am Brunnen ein wenig (…) Alkohol, um dann rotzevoll mit 4-40 Mann das Old Daddy zu entern und dort erst mal richtig loszulegen. Das Daddy war damals eine Kaschemme reinster Güte, ein Laden, in dem man einfach tanzen musste, um nicht am Boden festzukleben, und in dem man, machte man den Fehler und legte seine Arme beim Bestellen auf die Theke, auch schon mal bier-nasse Ärmel bekam. Oft gingen dort die Lichter erst um 7 Uhr an (während bei einigen Besuchern die Selbigen schon seit Stunden erloschen waren), man hatte sich – vor allem tanztechnisch – vollkommen zum Deppen gemacht und sicher irgendein Mädchen angebaggert, dass sich bei der Erinnerung an den unbeholfenen Flirtversuch am nächsten Morgen halb krank lachen würde (oder sich beim Aufwachen denkt: oh man, wie bin ich denn an den geraten...), aber hey; Spaß muss sein, und auch wenn die Erinnerungen meist ungnädig waren, so ist man doch 4 Wochen später wieder zum Brunnen in der Innenstadt gepilgert, um zu trinken, ins Daddy zu gehen und gepflegt auszurasten. Aber wie wir alle, so ist auch das Daddy in die Jahre gekommen, nannte sich fortan Kultkeller und war bevölkert von Menschen, die genau das richtige Alter zum Feiern hatten; also wesentlich jünger waren als wir. Ergo: es musste etwas Neues her. Und so landen wir wieder in der Gegenwart.
Während ich also in verzweifelter Hast versuchte, so viel Bier wie möglich in kürzester Zeit in mich zu schütten, beobachtete ich mit Numbsi das dunkle Treiben im Tic und fragte mich, warum das Konzept nicht funktionierte. Wie gesagt war alles da, was man zum Feiern brauchte; aber der Funke sprang nicht über. Bis mir auffiel: Ich fühlte mich wie in der Truman Show 2.0!
Ich werde jetzt nicht erklären, was die Truman Show ist; wer diesen Film verpasst hat, hat eindeutig etwas verpasst (und ist das jetzt der endgültige Beweis meiner Nerdheit, ungeachtet vorherrschender Trends?), aber an dem wenig blumigen Vergleich ist etwas Wahres dran. Wer eine stinkende, klebrige, laute und irgendwie asoziale Kaschemme gewöhnt ist und dann in einen ordentlichen und fast klinisch reinen Laden kommt, muss sich zwangsläufig wie in einer Filmkulisse fühlen. Es fehlte an Authenzität, das Ganze wirkte irgendwie künstlich. Jeder hatte sich in seiner Art aufgedonnert, aber keiner feierte... sie trafen sich mit Freunden, hörten Musik, redeten, als seien sie in einem Pub. Ich teilte diesen Gedanken mit meinem‚ Bruder Numbsi, dem ein weiteres Detail auffiel: Das Durchschnittsalter innerhalb dieser feiertechnischen Katastrophe lag bei fast 30. Nicht, dass 30-jährige nicht feiern könnten, oh nein, es ist viel schlimmer... sie wollen nicht. Keiner der Anwesenden war in der Lage, mal richtig loszulassen. Und auch wenn man auch ohne Alkohol Spaß haben kann, so fiel doch auf, dass viele Leute dort Cola oder Kaffee tranken. Als wir die Lokalität nach zwei Stunden verließen, wussten wir auch, warum: Die Meisten waren mit dem Auto dort.
So wandelt sich die Zeit, wir verändern uns, wir werden erwachsen. Mein Bruder und ich fuhren zurück in unsere Heimatstadt und gingen ins Old Daddy, das nun Kultkeller heißt. Keller ist klar, Kult irgendwie auch, und was soll ich sagen? Wir mussten tanzen, um nicht festzukleben, an der Theke holte ich mir nasse Unterarme, wir sind gepflegt ausgerastet und haben auch so manche Überraschung erlebt.
Es ist nicht mehr wie früher, das ist klar. Aber man darf sich auch nicht komplett verleugnen und Tics entwickeln, die mit einem selbst nichts mehr zu tun haben. Mir tun die Leute leid, die sich stets und ständig kontrollieren, weil sie ja nun älter sind und vernünftig werden müssen. Erwachsen werden ist ganz okay, aber manchmal brauch ich davon echt ne Pause!
Joy^^
Mitten im Mülleimer, oh Pardon, ich meine: Mülheimer Nirgendwo stießen wir also auf die sagenumwobene Partymeile, an dessen Ende (wieder ein Zeichen!) sich besagter Club / Disco / Irgendwas befindet. Von Haus aus eher der dunklen Ecke der Musik zugetan, verhieß das Ambiente einen schönen Abend; gemütliche Sitzecken, eine Theke, die komplett umrundet werden kann, schwarz und rot als Thema der Inneneinrichtung, ein paar verdörrte Bäume, gute Musik, billiges Bier, kurz: Alles, was ein wirklich guter Gothic Club braucht. Leute waren erst mal keine da, und so bestellten wir etwas zu trinken und ließen uns in eine der ledernen Couchen fallen.
Dabei blieb es eine ganze Weile. Es kamen ein paar weitere Menschen (wobei diese Bezeichnung lediglich als Klassifizierung der anwesenden Wirbeltiere gelten mag), aber Stimmung, nö, die hatte gerade Urlaub. Macht nichts, dachten wir, gingen abwechselnd eine rauchen und zurück zu unserem Sofa, bis wir halb an Lungenkrebs starben und uns fragten, was hier eigentlich so anders sei.
Dazu muss man ein wenig ausholen. Früher (nicht als hier noch Wald war, aber fast) trafen Numbsi und ich uns regelmäßig mit etwa 20 bis 40 anderen, recht dunkel gekleideten Menschen in der Duisburger Innenstadt zum gepflegten Ausrasten. Man trank am Brunnen ein wenig (…) Alkohol, um dann rotzevoll mit 4-40 Mann das Old Daddy zu entern und dort erst mal richtig loszulegen. Das Daddy war damals eine Kaschemme reinster Güte, ein Laden, in dem man einfach tanzen musste, um nicht am Boden festzukleben, und in dem man, machte man den Fehler und legte seine Arme beim Bestellen auf die Theke, auch schon mal bier-nasse Ärmel bekam. Oft gingen dort die Lichter erst um 7 Uhr an (während bei einigen Besuchern die Selbigen schon seit Stunden erloschen waren), man hatte sich – vor allem tanztechnisch – vollkommen zum Deppen gemacht und sicher irgendein Mädchen angebaggert, dass sich bei der Erinnerung an den unbeholfenen Flirtversuch am nächsten Morgen halb krank lachen würde (oder sich beim Aufwachen denkt: oh man, wie bin ich denn an den geraten...), aber hey; Spaß muss sein, und auch wenn die Erinnerungen meist ungnädig waren, so ist man doch 4 Wochen später wieder zum Brunnen in der Innenstadt gepilgert, um zu trinken, ins Daddy zu gehen und gepflegt auszurasten. Aber wie wir alle, so ist auch das Daddy in die Jahre gekommen, nannte sich fortan Kultkeller und war bevölkert von Menschen, die genau das richtige Alter zum Feiern hatten; also wesentlich jünger waren als wir. Ergo: es musste etwas Neues her. Und so landen wir wieder in der Gegenwart.
Während ich also in verzweifelter Hast versuchte, so viel Bier wie möglich in kürzester Zeit in mich zu schütten, beobachtete ich mit Numbsi das dunkle Treiben im Tic und fragte mich, warum das Konzept nicht funktionierte. Wie gesagt war alles da, was man zum Feiern brauchte; aber der Funke sprang nicht über. Bis mir auffiel: Ich fühlte mich wie in der Truman Show 2.0!
Ich werde jetzt nicht erklären, was die Truman Show ist; wer diesen Film verpasst hat, hat eindeutig etwas verpasst (und ist das jetzt der endgültige Beweis meiner Nerdheit, ungeachtet vorherrschender Trends?), aber an dem wenig blumigen Vergleich ist etwas Wahres dran. Wer eine stinkende, klebrige, laute und irgendwie asoziale Kaschemme gewöhnt ist und dann in einen ordentlichen und fast klinisch reinen Laden kommt, muss sich zwangsläufig wie in einer Filmkulisse fühlen. Es fehlte an Authenzität, das Ganze wirkte irgendwie künstlich. Jeder hatte sich in seiner Art aufgedonnert, aber keiner feierte... sie trafen sich mit Freunden, hörten Musik, redeten, als seien sie in einem Pub. Ich teilte diesen Gedanken mit meinem‚ Bruder Numbsi, dem ein weiteres Detail auffiel: Das Durchschnittsalter innerhalb dieser feiertechnischen Katastrophe lag bei fast 30. Nicht, dass 30-jährige nicht feiern könnten, oh nein, es ist viel schlimmer... sie wollen nicht. Keiner der Anwesenden war in der Lage, mal richtig loszulassen. Und auch wenn man auch ohne Alkohol Spaß haben kann, so fiel doch auf, dass viele Leute dort Cola oder Kaffee tranken. Als wir die Lokalität nach zwei Stunden verließen, wussten wir auch, warum: Die Meisten waren mit dem Auto dort.
So wandelt sich die Zeit, wir verändern uns, wir werden erwachsen. Mein Bruder und ich fuhren zurück in unsere Heimatstadt und gingen ins Old Daddy, das nun Kultkeller heißt. Keller ist klar, Kult irgendwie auch, und was soll ich sagen? Wir mussten tanzen, um nicht festzukleben, an der Theke holte ich mir nasse Unterarme, wir sind gepflegt ausgerastet und haben auch so manche Überraschung erlebt.
Es ist nicht mehr wie früher, das ist klar. Aber man darf sich auch nicht komplett verleugnen und Tics entwickeln, die mit einem selbst nichts mehr zu tun haben. Mir tun die Leute leid, die sich stets und ständig kontrollieren, weil sie ja nun älter sind und vernünftig werden müssen. Erwachsen werden ist ganz okay, aber manchmal brauch ich davon echt ne Pause!
Joy^^
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Freitag, 2. September 2011
Eine Krankheit namens RTL
joy-d, 01:14h
Donnerstag ist ja tendenziell eher ein Tag zum Vergessen. Ich meine fernsehmäßig, und das vor allem auf den Privaten. Ich bin nun irgendwie kein Fan von Navy CIS, nur weil die Gothic Assistentin ganz süß aussieht. Ich stehe auch nicht auf neurotische Moderatoren und andere Möchtegern Promis, die sich im Nebel eines Testosteron Flashs mit anderen armen Irren in grenzdebilen Spielchen messen müssen. Schön, ich gebe zu, manchmal schaue ich auch Trash TV. Ein bisschen Dschungel, Mitten im Leben zum Ablachen (vor allem bei dem Gedanken, dass es immer noch Leute geben soll, die das für echt halten), na klar, wieso nicht. Aber das, was mich heute erwartete, das war schon Müll Deluxe, die Platinversion, das Nonplusultra der schwachsinnigen Unterhaltung.
Sagte ich Unterhaltung? Ich meinte natürlich Folter. Nachdem ich meine abendliche Dosis Soap Operas überstanden hatte (und wie üblich mit meinem Freund wildeste Überlegungen anstellte, wie es denn weiter gehen könnte; er hat meist Recht, ich schreibe meine Ideen dann irgendwann auf), ging der Anfang der nachfolgenden Sendung leider nicht in unserer Unterhaltung unter. Die verstummte nämlich angesichts der optischen Ungeheuerlichkeiten im Fernsehen. Mist, dachte ich mir, wieso habe ich mir nur diesen schönen, großen Flachbildschirm gekauft, damit ich das Elend noch ein bisschen besser betrachten kann! Sofort wurde uns klar, dass es sich dabei um eine deutsche Produktion handeln musste - ich korrigiere: Um eine RTL Produktion. Ein himmelweiter Unterschied, möchte man doch bemerken, dass Deutschland mit Filmen wie Das Experiment oder Die Welle durchaus auch schon sehenswerte bewegte Bilder auf die Mattscheibe gebracht hat. Leider schien das heute Abend nicht der Fall zu sein. Schon nach dem Vorspann, der unheilvoll an Cobra 11 erinnerte (die gleichen Grafiken, die gleiche Stimme; ich zitterte schon fast vor Grauen), meinte mein Freund gelassen: "Ist bestimmt so ein CSI Abklatsch". Ein extrem abgetönter Miami-Himmel über einem Gebäude, das die Zentrale des BKA darstellen sollte, bestätigte die grausame Vermutung. Der weitere Verlauf des Versuchs, das Ding anzugucken, erscheint mir in der Erinnerung ein wenig verschwommen, aber ich will es mal versuchen. Denn es ging darum, dass das BKA eine Sondereinheit mit Namen IK1 ins Ausland schickt, um unschuldig eingekerkerte Deutsche aus den grundsätzlich menschenunwürdigen Knästen zu holen. Spannend, spannend. Und so nah am Leben. Nachdem im IK1 Raum überall IK1 stand (auf jedem einzelnen Ordner im Regal, auf der Wand, auf dem Säulen im Gang, selbst auf einem großen Flachbildschirm, der aus unerfindlichen Gründen einfach mal so rumhing), damit man auch ja nicht vergisst, dass diese tolle Sendung IK1 heißt, treffen Flugzeug nach Thailand, wo der erste arme Deutsche im Gefängnis gelandet ist, unsere Helden aufeinander. Er: mürrisch, Typ Einsamer Wolf, hat keine Gefühle, kennt sich aber tiiiierisch gut aus. Mit allem. Und überhaupt. Ermittler oder so. Sie: schusselig, doof, zickig, blond. Mit sooooooo nem Herzen. Psychologin (da wundert es niemanden, dass so viele Gestörte draußen rumrennen, wenn DAS eine Psychologin gewesen sein soll!). Sie haut erstmal einen Drink von einem Mitreisenden im Flugzeug um; beim Boarding, wohl bemerkt (!). Dann trickst sie ihn aus, um auf den Fensterplatz zu kommen. Er mag sie nicht, sie mag ihn nicht. Klassisch.
Klassisch ging es dann auch weiter. Angekommen in Thailand, nimmt sie erstmal ein paar Fettpötte mit, während er ziemlich locker bleibt und sich natürlich bestens auskennt. Es werden ein paar Klischees bedient: Ein Mitgefangener unseres tragischen Opfers hält ihn für einen Sextouristen (und benutzt dabei zwei Mal das Wort "f*ck", korrekt übersetzt in den deutschen Untertiteln für die Achtjährigen, die noch kein Englisch können; das Ganze um nicht mal halb neun Abends im deutschen Fernsehen!), eine grell gekleidete Dame krakeelt auf der Polizeiwache; wahrscheinlich ist sie bei der Prostitution erwischt worden. Frauen haben in Thailand ja auch nichts anderes zu tun. De Mutter des Opfers ist außer sich und will nur, dass man ihr armes Söhnchen aus dem schlimmen, schlimmen Gefängnis holt. Der Einsame Wolf macht ein bisschen auf Chauvi, Sie lässt sich das natürlich nicht bieten... irgendwann hab ich dann eingesehen, dass ich gar nicht so viel saufen kann, um das zu ertragen, und mit dem Kiffen habe ich vor vielen Jahren aufgehört. Ich weiß sowieso, wie es ausging: Nach ein paar Querelen haben sie den armen Tropf doch noch aus dem Knast geholt, nachdem es echt mies aussah und ein paar Leute auch noch echt übel in Gefahr geraten sind. Es fliegen ein paar Sachen in die Luft; eine Verfolgungsjagd, eine Schlägerei, aber dann wird alles gut. Die blonde Psychologin verblüfft den Einsamen Wolf, da sie wohl doch recht hart im Nehmen ist und ihn aus einer brenzligen Situation rettet. Am Ende mögen sie sich gar, es knistert ein wenig im Auge des Sturms, aber natürlich ist sie zu sittsam und er zu verletzt durch Traumata in seiner Jugend, als dass irgend etwas passieren könnte, das den geneigten Zuschauer aus seinem Wachkoma lockt. RTL ist eben die Bildzeitung für Leute, die nicht lesen können.
Ich habe mir dann Garfield 2 angesehen. Auch nicht so viel anspruchsvoller, dafür wenigstens gut gemacht. Zum Schlafen gehen schaltete ich wieder auf RTL, CSI kommt ganz gut zum Pennen, und was sehe ich? Das Justin Bieber. In meinem Fernseher. Das gab mir den Rest.
Jetzt hab ich Pickel. Und zu schlafen traue ich mich auch nicht mehr. Gut, dass ich keine blonde Psychologin habe, und dennoch trotz allem mitten im Leben bin. Das Fernsehen kann einen schon echt krank machen, insbesondere RTL.
Gute Nacht.
joy-d
Sagte ich Unterhaltung? Ich meinte natürlich Folter. Nachdem ich meine abendliche Dosis Soap Operas überstanden hatte (und wie üblich mit meinem Freund wildeste Überlegungen anstellte, wie es denn weiter gehen könnte; er hat meist Recht, ich schreibe meine Ideen dann irgendwann auf), ging der Anfang der nachfolgenden Sendung leider nicht in unserer Unterhaltung unter. Die verstummte nämlich angesichts der optischen Ungeheuerlichkeiten im Fernsehen. Mist, dachte ich mir, wieso habe ich mir nur diesen schönen, großen Flachbildschirm gekauft, damit ich das Elend noch ein bisschen besser betrachten kann! Sofort wurde uns klar, dass es sich dabei um eine deutsche Produktion handeln musste - ich korrigiere: Um eine RTL Produktion. Ein himmelweiter Unterschied, möchte man doch bemerken, dass Deutschland mit Filmen wie Das Experiment oder Die Welle durchaus auch schon sehenswerte bewegte Bilder auf die Mattscheibe gebracht hat. Leider schien das heute Abend nicht der Fall zu sein. Schon nach dem Vorspann, der unheilvoll an Cobra 11 erinnerte (die gleichen Grafiken, die gleiche Stimme; ich zitterte schon fast vor Grauen), meinte mein Freund gelassen: "Ist bestimmt so ein CSI Abklatsch". Ein extrem abgetönter Miami-Himmel über einem Gebäude, das die Zentrale des BKA darstellen sollte, bestätigte die grausame Vermutung. Der weitere Verlauf des Versuchs, das Ding anzugucken, erscheint mir in der Erinnerung ein wenig verschwommen, aber ich will es mal versuchen. Denn es ging darum, dass das BKA eine Sondereinheit mit Namen IK1 ins Ausland schickt, um unschuldig eingekerkerte Deutsche aus den grundsätzlich menschenunwürdigen Knästen zu holen. Spannend, spannend. Und so nah am Leben. Nachdem im IK1 Raum überall IK1 stand (auf jedem einzelnen Ordner im Regal, auf der Wand, auf dem Säulen im Gang, selbst auf einem großen Flachbildschirm, der aus unerfindlichen Gründen einfach mal so rumhing), damit man auch ja nicht vergisst, dass diese tolle Sendung IK1 heißt, treffen Flugzeug nach Thailand, wo der erste arme Deutsche im Gefängnis gelandet ist, unsere Helden aufeinander. Er: mürrisch, Typ Einsamer Wolf, hat keine Gefühle, kennt sich aber tiiiierisch gut aus. Mit allem. Und überhaupt. Ermittler oder so. Sie: schusselig, doof, zickig, blond. Mit sooooooo nem Herzen. Psychologin (da wundert es niemanden, dass so viele Gestörte draußen rumrennen, wenn DAS eine Psychologin gewesen sein soll!). Sie haut erstmal einen Drink von einem Mitreisenden im Flugzeug um; beim Boarding, wohl bemerkt (!). Dann trickst sie ihn aus, um auf den Fensterplatz zu kommen. Er mag sie nicht, sie mag ihn nicht. Klassisch.
Klassisch ging es dann auch weiter. Angekommen in Thailand, nimmt sie erstmal ein paar Fettpötte mit, während er ziemlich locker bleibt und sich natürlich bestens auskennt. Es werden ein paar Klischees bedient: Ein Mitgefangener unseres tragischen Opfers hält ihn für einen Sextouristen (und benutzt dabei zwei Mal das Wort "f*ck", korrekt übersetzt in den deutschen Untertiteln für die Achtjährigen, die noch kein Englisch können; das Ganze um nicht mal halb neun Abends im deutschen Fernsehen!), eine grell gekleidete Dame krakeelt auf der Polizeiwache; wahrscheinlich ist sie bei der Prostitution erwischt worden. Frauen haben in Thailand ja auch nichts anderes zu tun. De Mutter des Opfers ist außer sich und will nur, dass man ihr armes Söhnchen aus dem schlimmen, schlimmen Gefängnis holt. Der Einsame Wolf macht ein bisschen auf Chauvi, Sie lässt sich das natürlich nicht bieten... irgendwann hab ich dann eingesehen, dass ich gar nicht so viel saufen kann, um das zu ertragen, und mit dem Kiffen habe ich vor vielen Jahren aufgehört. Ich weiß sowieso, wie es ausging: Nach ein paar Querelen haben sie den armen Tropf doch noch aus dem Knast geholt, nachdem es echt mies aussah und ein paar Leute auch noch echt übel in Gefahr geraten sind. Es fliegen ein paar Sachen in die Luft; eine Verfolgungsjagd, eine Schlägerei, aber dann wird alles gut. Die blonde Psychologin verblüfft den Einsamen Wolf, da sie wohl doch recht hart im Nehmen ist und ihn aus einer brenzligen Situation rettet. Am Ende mögen sie sich gar, es knistert ein wenig im Auge des Sturms, aber natürlich ist sie zu sittsam und er zu verletzt durch Traumata in seiner Jugend, als dass irgend etwas passieren könnte, das den geneigten Zuschauer aus seinem Wachkoma lockt. RTL ist eben die Bildzeitung für Leute, die nicht lesen können.
Ich habe mir dann Garfield 2 angesehen. Auch nicht so viel anspruchsvoller, dafür wenigstens gut gemacht. Zum Schlafen gehen schaltete ich wieder auf RTL, CSI kommt ganz gut zum Pennen, und was sehe ich? Das Justin Bieber. In meinem Fernseher. Das gab mir den Rest.
Jetzt hab ich Pickel. Und zu schlafen traue ich mich auch nicht mehr. Gut, dass ich keine blonde Psychologin habe, und dennoch trotz allem mitten im Leben bin. Das Fernsehen kann einen schon echt krank machen, insbesondere RTL.
Gute Nacht.
joy-d
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